Als Lehrer
Lehre
Als Nikolaj Znaider zu Boris Kuschnir kam, hatte er bereits große Auftritte hinter sich. Dennoch war er bereit, an grundlegenden Fragen seiner Technik noch einmal anzusetzen. Im Gespräch mit Irene Suchy für Fidelio erinnert sich Kuschnir an diesen Neuanfang: Znaider arbeitete konsequent, innerhalb eines Jahres machte er rasche Fortschritte. Später begleitete ihn sein Lehrer mehrere Wochen lang zum Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel.
Am Detail arbeiten
Wie solche Arbeit im Unterricht aussieht, beschreibt Katharina von Glasenapp in einem Bericht für die Lindauer Zeitung. Alexandra Soumm spielt die Carmen-Fantasie von Franz Waxman. Anschließend gehen sie und Kuschnir die schwierigen Passagen einzeln durch: Bewegungen, Impulse und die Gliederung der Phrasen. Beim Unterricht mit Eung-Soo Kim an César Francks Violinsonate richtet sich die Aufmerksamkeit auf den musikalischen Fluss und darauf, Spannung aufzubauen, ohne die Schulter zu verspannen.
Im selben Bericht erklärt Kuschnir, dass er Technik und Musikalität gemeinsam entwickeln möchte. Die Haltung von Geige und Bogen soll zum Körper des jeweiligen Menschen passen. Eine geeignete Lösung zu finden, könne Monate oder Jahre dauern; ein einziges Rezept für alle beschreibt er nicht.
Mit einem Ziel üben
In seiner Teacher-Talk-Kolumne für The Strad erläutert Kuschnir, wie er zum Üben anregt: Ein Konzert, eine Aufnahme oder ein Wettbewerb können ein konkretes Ziel geben. Entscheidend sei aber, dass der Lehrer auch zeigt, wie technische und musikalische Schwierigkeiten zu lösen sind. Die bloße Aufforderung, mehr zu üben, reicht dafür nicht aus.
Auch die Frage, wie lange jemand an einem Stück arbeiten sollte, beantwortet er vom Lernziel her. Geht es um eine bestimmte Bogentechnik oder einen musikalischen Stil, kann nach ausreichendem Fortschritt ein neues Werk folgen. Für eine wichtige Aufführung oder Aufnahme kann die Vorbereitung dagegen Monate oder sogar Jahre beanspruchen.
Eine eigene Laufbahn
Im Fidelio-Interview spricht Kuschnir auch über die Grenzen seiner Arbeit: Er nimmt Studierende an, denen er seiner Einschätzung nach helfen kann. Den Wunsch, eine Karriere wie Julian Rachlin zu machen, hält er für den falschen Ausgangspunkt. Seine Studierende sollen ihren eigenen Weg gehen.
Zu ihnen zählen unter anderem Julian Rachlin, Nikolaj Znaider, María Dueñas, Lidia Baich, Dalibor Karvay und Alexandra Soumm. Ihre Laufbahnen sind auf der Seite der Studierenden dargestellt.
Hochschulen und Meisterkurse
Seit 1984 lehrt Boris Kuschnir an der heutigen Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. 1999 wurde er zum ordentlichen Universitätsprofessor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz berufen, wo er heute emeritiert ist. Dazu kommen Meisterklassen, unter anderem bei der Verbier Festival Academy und an der Kronberg Academy, sowie Jurytätigkeiten etwa beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb und beim Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb.
Zu den Meisterkursen · Lehrtätigkeit und Jurys in der Biografie
Zum Weiterlesen: Gespräch mit Irene Suchy, Meisterkurs-Bericht von Katharina von Glasenapp und Teacher Talk, Januar 2011.